Steifes Pferd: Liegt es an den Muskeln oder an den Gelenken?
Wenn dein Pferd manchmal steif ist oder beim Training erst etwas in Gang kommen muss, kann das verschiedene Ursachen haben. Steifheit ist nicht immer ein Grund zur Sorge – manchmal aber schon. Weißt du, woher die Steifheit deines Pferdes kommt? Und was du tun kannst, um dein Tier zu unterstützen?
Gelenke
Magnesium
1 Februar '26 • 7 Min Lesezeit
Ein Pferd, das etwas steif aus dem Stall kommt oder sich während des Trainings nicht ganz geschmeidig bewegt, kann unter verschiedenen Problemen leiden. Ist dein Pferd deutlich und dauerhaft lahm, solltest du den Tierarzt für eine Lahmheitsuntersuchung hinzuziehen. Handelt es sich jedoch vor allem um ein „In-Gang-Kommen-Müssen“ oder um gelegentliche Steifheit, lohnt es sich, der Ursache auf den Grund zu gehen. Je nach Ursache gibt es verschiedene Möglichkeiten, dein Pferd zu unterstützen.
Steifheit aus den Muskeln
Steifheit kann aus den Muskeln kommen. Das ist wahrscheinlicher bei Pferden, die noch nicht lange im Training stehen, wie junge Pferde, oder bei Pferden, die intensiv gearbeitet werden. Beim Training werden die Muskeln belastet, mit dem Ziel, sie stärker und belastbarer zu machen. Durch das Training entstehen kleine Schäden in den Muskelfasern, die in der Zeit nach dem Training vom Körper selbst repariert werden. Danach sind die Muskeln stärker als zuvor. Dies ist ein natürlicher Prozess und Teil des Trainings. Grundsätzlich ist das also nicht schlimm. Wichtig ist jedoch ein korrekt aufgebauter Trainingsplan, bei dem intensivere Belastung mit aktiver Erholung (freie Bewegung, Spaziergänge oder Bodenarbeit) abgewechselt wird. Bedenke dabei auch, dass „Belastung“ für ein junges, gerade angerittenes Pferd bereits aus 15 Minuten Schritt und Trab bestehen kann, während dies für ein erfahrenes Sportpferd etwas völlig anderes bedeutet. Auch die Erholungsphase unterscheidet sich je nach Pferd. Für alle gelten jedoch die gleichen Trainingsprinzipien: Ein Trainingsreiz verursacht Mikroverletzungen, die in einer Ruhephase von ein bis zwei Tagen vom Körper repariert werden. Danach sollte ein neuer Trainingsreiz gesetzt werden, um den Prozess zu wiederholen. Nur so wird dein Pferd stärker und konditionell besser. Lass dich hierzu gut beraten oder informiere dich weiter, um einen passenden Trainingsplan für dein Pferd zu erstellen. Ein wenig Steifheit nach intensivem Training ist nicht schlimm, solange die Muskeln ausreichend Zeit zur Regeneration bekommen.
Übersäuerung der Muskeln: Training und Unterschiede zwischen Rassen
Während des Trainings kann der Körper in einen anaeroben (sauerstoffarmen) Zustand geraten. Dabei übersäuern die Muskeln und es wird vorübergehend Laktat (Milchsäure) im Muskelgewebe gespeichert – zum Beispiel bei anspruchsvollen Dressurlektionen. Wenn das Pferd danach im Schritt weitergeht, wird das Laktat wieder aus den Muskelzellen abtransportiert. Wann diese Übersäuerung eintritt, hängt vom Trainingszustand und Leistungsniveau deines Pferdes ab. Bei einem jungen Pferd kann bereits eine Galopprunde zur Übersäuerung führen. Bei einem gut trainierten Vielseitigkeitspferd tritt sie möglicherweise erst nach sechs oder sieben Minuten Cross-Country auf. Als Reiter oder Trainer merkst du oft an einem „stärker werdenden“ Pferd in der Hand oder an Widerstand, dass es übersäuert. Durch die Übersäuerung fällt es dem Pferd schwerer, die Balance zu halten – das spürst du beim Reiten. Das ist keine Ungehorsamkeit. Wenn du dies bemerkst, geh einige Minuten im Schritt an langer Zügel und lass dein Pferd durchatmen. Es hat keinen Sinn weiterzumachen, wenn dein Pferd übersäuert ist. Das ist schmerzhaft und führt zu mehr Steifheit in den Tagen nach dem Training. Außerdem kann dein Pferd eine negative Verbindung zum Training entwickeln, wenn du weitermachst, obwohl sein Körper „im roten Bereich“ ist. Wenn also etwas im Training nicht gelingt – eine Übung oder ein Sprung –, frage dich immer, ob dein Pferd möglicherweise unter übersäuerten Muskeln leidet. Besonders bei Friesen oder Kaltblütern. Für Friesen ist wissenschaftlich belegt, dass sie andere Muskelfasertypen haben als beispielsweise KWPN-Pferde oder Vollblüter. Dadurch übersäuern sie schneller, besonders im Galopp und vor allem, wenn sie daran noch nicht gut gewöhnt sind. Untersuchungen an jungen Friesenhengsten im Zentralen Hengstleistungsprüfung zeigten, dass selteneres und kürzeres Galopptraining zu besseren Fortschritten und höherer Trainingsbelastbarkeit führte. Viele Menschen halten es für plausibel, dass auch Kaltblüter sich in dieser Hinsicht von Warmblütern unterscheiden. Beobachte dein eigenes Pferd daher genau und passe das Training individuell an. Gleichzeitig ist es wichtig, ausreichend intensiv zu trainieren – zu wenig Training macht dein Pferd nicht stärker und verbessert auch nicht seine Ausdauer. Berücksichtige außerdem Erkrankungen wie PSSM2, die eine schnellere Übersäuerung begünstigen können.
Steifheit aus den Gelenken
Steifheit kann also durch Mikroverletzungen oder Übersäuerung der Muskeln entstehen, aber auch aus den Gelenken kommen. Gelenke sind die Stellen, an denen Knochen aufeinandertreffen und sich gegeneinander bewegen. Knorpel an den Knochenenden und Gelenkflüssigkeit sorgen dafür, dass Bewegungsstöße abgefedert werden und die Gelenke geschmeidig bleiben. Für den Aufbau von Knochen, Knorpel und Gelenkflüssigkeit sind Mineralstoffe wichtig. Vor allem Silizium und Magnesium sollten in ausreichender Menge im Futter enthalten sein. Auch Phosphor und Kalzium sind essenziell, werden aber über das normale Rationsfutter meist ausreichend aufgenommen. Mit zunehmendem Alter kann sich der Knorpel abnutzen und die Produktion von Gelenkflüssigkeit abnehmen. Das kann zu Schmerzen und Steifheit führen, vor allem zu Beginn der Bewegung. Bewegung regt jedoch die Bildung von Gelenkflüssigkeit an. Daher ist es bei älteren Pferden oft besonders wichtig, sie langsam aufzuwärmen. Wenn du zunächst zehn Minuten oder länger im Schritt gehst und danach mit kurzen Trabphasen beginnst, verschwindet die Steifheit bei vielen älteren Pferden von selbst. Hilfreich ist außerdem viel freie Bewegung, sodass das Pferd den ganzen Tag über laufen kann, anstatt in der Box zu stehen.
Arthrose
Im Laufe des Lebens können leichte Schäden und Abnutzungserscheinungen am Skelett entstehen. Die Gelenke werden weniger glatt und es können kleine Entzündungen auftreten. Viele ältere Pferde haben eine leichte Form von Arthrose und kommen dadurch schwerer in Gang. Schmerzen lassen sich mit pflanzlichen Entzündungshemmern und Schmerzmitteln lindern, zum Beispiel mit Nelkenextrakt. Auch hier gilt: Viel freie Bewegung und ruhiges Aufwärmen sind die beste Medizin. Gib deinem Pferd Zeit und halte es möglichst in Bewegung. Wenn ein Pferd Muskelmasse verliert – ebenfalls ein natürlicher Alterungsprozess – steigt die Belastung der Gelenke. Deshalb ist es wichtig, die Muskulatur weiter zu trainieren. Sie hält dein Pferd „zusammen“ und fängt Bewegungen ab, wodurch die Gelenke entlastet werden. Sieh die Muskeln als eine Art Schutzpanzer um die empfindlichen Knochen: Je besser dieser Panzer, desto geringer die Belastung und Abnutzung des Skeletts.
Abfallstoffe in den Gelenken
Neben der Übersäuerung der Muskeln kann bei intensiver Arbeit auch die Ansammlung von Abfallstoffen in den Gelenken auftreten, insbesondere von Harnsäure. Diese entsteht bei intensiver Belastung als Stoffwechselendprodukt. Während der Bewegung kann der Körper sie nicht sofort über die Nieren ausscheiden, sodass sie vorübergehend in den Gelenken in Form von Harnsäurekristallen gespeichert wird. Diese Kristalle haben scharfe Kanten und können nach intensivem Training Schmerzen und Gelenksteifheit verursachen. Mit der Zeit werden sie wieder ausgeschieden. Dieser Prozess kann mit Kräuterextrakten unterstützt werden, etwa mit einer Kombination aus Kurkuma, Boswellia, Ackerschachtelhalm, Schwarzer Johannisbeere und Bambus.
Geschmeidiges Pferd?
Ob dein Pferd nun gelegentlich Steifheit aus den Muskeln, aus den Gelenken oder aus beiden zeigt: In allen Fällen ist eine gut entwickelte Muskulatur entscheidend. Gut aufgebaute Muskeln bilden eine funktionelle Hülle um die Gelenke und fangen einen Großteil der Belastung ab. Um die Muskulatur geschmeidig und gesund zu halten, sind ein durchdachter Trainingsplan mit ausreichenden Reizen und genügend aktiver Erholung wichtig. Der Muskelaufbau kann mit Magnesium und Vitamin E unterstützt werden. Für gesunde Gelenke sind freie Bewegung und das Mineral Silizium besonders wichtig. Bei Steifheit durch Arthrose oder Abfallstoffansammlungen in den Gelenken können pflanzliche Ergänzungsfuttermittel unterstützend wirken.
Bronnen:
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Siegers, E., van den Broek, J., Sloet van Oldruitenborgh-Oosterbaan, M., & Munsters, C. (2023). Longitudinal training and workload assessment in Young Friesian stallions in relation to fitness, Part 2—an adapted training program. Animals, 13(4), 658. https://www.mdpi.com/2076-2615/13/4/658
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